Nur Ratten verlassen jetzt das (noch nicht) sinkende Schiff


Foto: Brigitte Holtgreve

Klar hatten wir wohl alle damit gerechnet, dass nach dem guten Spiel im DHB-Pokal jetzt endlich auch zuhause die ersten Pluspunkte eingefahren werden. Aber tatsächlich ist es schon ein riesiger Unterschied, ob man gegen einen Spitzenreiter der Regionalliga oder ein Spitzenteam der Bundesliga spielt.

Aber ein klein wenig konnte es man auch am letzten Dienstag schon ahnen. Zwar waren sich nach dem Spiel Trainer, Spieler und Fans einig, dass dieser Sieg wirklich wichtig war und nun doch die Hoffnung besteht, dass der Knoten nun endlich geplatzt ist und es aufwärts geht aber die verhaltene Freude der Spieler über den Sieg zeigte auch, dass die Unsicherheit immer noch nicht abgelegt ist.

Und so war am Samstag in Stoppenberg auch das sonnige Wetter fast die einzig schöne Seite. Denn Göppingen war eindeutig zu stark für diesen Tusem. Positiv war, dass sich die Abwehr weiter verstärkt hat. Aber es reichte einfach nicht. Viel zu viele Fehler im Angriff und natürlich das Problem, dass der Kader zu schwach besetzt ist. Gegen die massive Göppinger Abwehr war zum einen kein Kraut gewachsen und zum anderen unsere jungen Spieler einfach zu unerfahren. So viel sie sich auch bemühten. Denn daran fehlte es nie, die Mannschaft ließ bis zuletzt nie nach und kämpfte und so wird sie auch in den nächsten schweren Auswärtsspielen weitermachen. Nicht umsonst bekam Jörg Lützelberger für seine Aussagen beim Fan-Talk Sonderbeifall. Sie werden versuchen, überall zu punkten und nicht auf die sog. Gegner in Augenhöhe warten. So wie es Dormagen gezeigt hat, sind Überraschungen überall möglich.

Jörg Lützelberger im Interview mit dem Hallensprecher
Foto: Brigitte Holtgreve

Dass sie dabei von ihren Fans unterstützt werden, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber leider erweist sich das Essener Publikum hier wie immer als sehr unzuverlässig und das liegt mit Sicherheit nicht an der Anwurfzeit. Schließlich wäre bei diesem wunderschönen Wetter nachmittags wohl kaum einer in die Halle gekommen und so konnte man immer noch diesen Tag genießen und anschließend zum Tusem gehen. Aber leider waren dies nur etwa 1300 Leute.

Warum aber lassen die Essener ihren Tusem in Stich? Noch im letzten Jahr kamen mehr Zuschauer in die Halle und begleiteten mehr Fans die Mannschaft zu den Auswärtsspielen. Warum werden sie nun mehr und mehr im Stich gelassen? Ist es weil Trainerentlassungen in dieser Saison kein Thema sind und man über Mannschaft und Trainer nicht stänkern kann? Ist es den Zuschauern zu langweilig, wenn sie merken, dass ihre Mannschaft immer unterlegen ist?

Ok, die Mannschaft ist sehr jung und unerfahren. Es gibt keine Spitzenstars. Aber im Gegensatz zum letzten Jahr gibt es nicht nur eine Mannschaft, die etwas erreichen will. Tusem hat einen Trainer, der sein Handwerk versteht und der in den letzten fast 20 Jahren viel für den Verein getan hat. Es wird ihm und der Mannschaft wohl jeder abnehmen können, dass sie alle ihr Möglichstes tun, um auch diese schwere Saison zu überstehen, um sich dann, wie auch Stefan Krebietke im Fan-Talk es erhoffte, in ein bis zwei Jahren in der Bundesliga endgültig wieder zu etablieren.

Daher wird es Zeit, dass endlich auch die Fans begreifen, dass diese Mannschaft gerade jetzt die volle Unterstützung braucht. Wer auch in Zukunft wieder Erfolge mit „seinem Verein“ feiern möchte, der sollte jetzt auch dabei sein, wenn es gilt die schweren Stunden zu überstehen.

Somit sucht Kristof Szargiej zwei besser noch drei gute Spieler zur Verstärkung der Mannschaft und die treuen Fans suchen  mindestens ein paar Hundert Leute, die nicht gleich das Schiff verlassen, wenn es ein wenig wackelt.

 

Verfasser: B.Holtgreve